Michael Pettau
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Hooligans
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Über Hooligans

 

Dieser Bereich ist dazu gedacht Neulingen oder Interessierten einen ersten Überblick über das Phänomen Hooligan zu verschaffen. Es ist gar nicht meine Absicht einem "alten Hasen" hier irgendwetwas vorzumachen. Manche interessiert: Was waren Hooligans früher und was ist heutzutage unter einem Hooligan zu verstehen?

 

Die auf dieser Seite eingefügten Videos dienen nur Informationszwecken und nicht der Verherrlichung von Gewalt und Straftaten.

 

Historisches:

 

Der Artikel über Hooligans bei Wikipedia ist als Einstieg empfehlenswert. Ende der 1960er Jahre wurde die Gewalt in und um die englischen Fußballstadien unkontrollierbar. Dabei spielten mehrere Faktoren eine Rolle.

Zu nennen ist die vergleichsweise hohe Gewaltakzeptanz in der englischen Arbeiterklasse. Dann das Bedürfnis der Jugend sich von der Welt der Erwachsenen abzugrenzen, was in England zu mehreren Jugendsubkulturen führte. Zu nennen sind in dem Zusammenhang Mods, Skinheads und Punks.

Der englische Arbeitersport Fußball  erlangte, durch das erringen des Titels bei der Weltmeisterschaft 1966, einen weitern Aufschwung und zog fast die komplette Jugend in seinen Bann.

Wo sich junge Männer versammeln und Alkohol konsumieren, lässt Ärger nicht lange auf sich warten. Ist auf jedem Dorffest zu beobachten. Die englische Boulevardpresse bauschte diese Vorkommnisse regelmäßig auf und berichtete über marodierende Horden. Gerade die Londoner Erstligaclubs standen unter ständiger Beobachtung. Um sich gegen die vermeintliche Gefahr zu wappnen, organisierten sich bei allen Vereinen gewaltbereite Jugendliche zu Banden. Durch die Berichterstattung verbreitete sich auch der Kleidungsstil der Skinheads landesweit aus. Deren derbes Aussehen, passte der Presse hervorragend in ihr - nach Sensationen gierendes - Konzept. Durch das bewusst proletarischen Auftreten der Skinheads konnte sich die englische Arbeiterjugend auch gegen die Mittelschichtbewegung der Hippies absetzen. Dies wurde durch einen besonders aggressiven Habitus noch betont.

In den 1970ern und `80ern dominierten die Hooligans die britischen Stadien. Die Moden änderten sich, musikalisch kamen Punk und Oi! hinzu. Auch Drogen fanden vermehrt Konsumenten in die Szene.  

 

Old School:

 

Schon immer besuchten die Fans die Spiele ihres Fußballvereins, wobei es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit den Anhängern des gegnerischen Vereins kommen konnte. Typische Zwischenfälle waren spontane Schlägereien beim Zusammentreffen rivalisierender Fangruppen oder die Stürmung des gegnerischen Fanblocks. Am 29.05 1985 kam es vor dem Endspiel des Pokals der Landesmeister (Vorläufer der Champions League) zu einer Massenpanik. Dabei starben 39 Menschen und 454 wurden verletzt. Nach der schrecklichen Tragödie im Brüsseler Heysel-Stadion wurden alle englische Vereine für 5 Jahre aus allen internationel Wettbewerben ausgeschlossen.

 

 

 

Video: italienischer TV-Bericht über die Tragödie von Heysel

 

Die Polizei fing an die Fans anhand ihrer Gewaltbereitschaft zu kategorisieren

Kategorie A weitestgehend friedlich

Kategorie B gewaltbereit

Kategorie C gewaltsuchend oder die Hooligans

 

Durch szenekundige Beamte, Polizisten die sich nur mit den Fußballfans befassen, wurde den Hooligans ihre Anonymität genommen. Die Beamten identifizierten die Störer und wussten wem sie auf den Fersen bleiben musste. Durch Fanprojekte gelang es die Fans der Kategorie A und B von den Hooligans zu trennen und in den Fanszenen die Gewaltakzeptanz beträchtlich zu senken.

Auch wegen der allgegenwärtigen Videoüberwachung bestand für die Hooligans keine Chance mehr in der Masse unterzutauchen und die Gewalt beim Fußball auszutragen.

Dadurch änderten sich die Taktiken, es kam zu Überfällen auf Kneipen in denen sich verfeindete Hooligans befanden. Manchmal versuchten beide Parteien sich, vor oder nach dem Spiel, abzusetzen um sich ungestört zu prügeln. Es war ein großes Räuber- und Gendarm- Spiel, bei der die Polizei oftmals die Oberhand behielt. Die Polizei wusste welche Begegnungen als Risikospiele galten und war auf die Hooligans vorbereitet. Diese wurden am Spieltag einfach konsequent observiert oder in Gewahrsam genommen. 

 

 

Feld, Wald & Wiese:

 

Von dem Zeitpunkt, als sich gewaltsuchende Fußballfans ein ungestörtes Örtchen für ihre Zwecke suchten, bis zu verabredeten Schlägereien, war es nur noch ein kleiner Schritt. Seit Mitte der 90er Jahre beobachtete die Szene gebannt was in Osteuropa vorging.

Die einstigen Hooligans trafen sich völlig losgelöst vom Spielplan des eigenen Vereins zum boxen. Seit Anfang des Jahrtausends ist dies auch die hauptsächliche Austragungsart der Hooligankämpfe in Deutschland. Diese Entwicklung wurde durch die Sicherheitsmaßnahmen zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 noch beschleunugt. Die einstigen Fußballhooligans gehen nur noch auf „den Acker“.

Die Beteiligten rekrutieren sich seitdem auch nicht mehr mehrheitlich aus den Fanszenen, sondern sind oftmals Türsteher und Kampfsportler, die eine Auseinandersetzung unter realen Bedingungen suchen. Für Fanprojekte, Videokameras und szenekundige Beamte ist dieser neue Typus Hooligan unerreichbar.

 

   

 

 Video: Ein polnischer TV-Bericht über Legia Warschau gegen Arka Gdinya

 

 

Länderspiele:

 

Bei Länderspielen oder den großen Turnieren gehen die gewaltsuchenden Fußballfans wie in den 80er Jahren (Old School) vor, was es der Polizei sehr leicht macht.

 

 

Video: Belgien - Deutschland 03.09.2010 in Brüssel 

Viel Gesinge + etwas Gepose + wenig Gewalt = 280 Festnahmen

 

Bei der Europameisterschaft 1996 in England blieb es fast vollkommen ruhig und die Gefahr des Hooliganismus schien endgültig gebannt.

Im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 ging es nahe Frankfurt an der Oder zwischen Deutschen und Polen verabredet „auf dem Acker“ zur Sache. Die nächste Europameisterschaft 2012 findet in Polen und der Ukraine statt: den Ursprungsländern von Feld, Wald & Wiese…

Ich gebe diesbezüglich in meinem Roman "Auf dem Acker" einen Ausblick was passieren könnte.

 

 

© Michael Pettau 2011 | m-pettau@gmx.de